Die Chinesen sind zu dick

China war immer ein Vorbild für Prävention. Wie bei allem laufen die Dinge in China rasant schnell. Durch den großen Nachholbedarf an Entwicklung haben auch die zivilisatorischen Erkrankungen rasant zugenommen. Leider haben auch im gleichen Maße das Interesse an QiGong und TaiJi in der Bevölkerung, vor allem bei den jungen Menschen, abgenommen. Ein Grund mehr, diese nachweislich positiv wirkenden Methoden und Sportarten, weiter zu pflegen. Auch damit sie in China ermutigt werden, sie nicht gänzlich verschwinden zu lassen und sie zu anderer Zeit zu einer Renaissance erlangen.

Der Artikel entstammt dem Chinablog der ZEIT.

Chi, chi, chi, sagt die Großmutter immerzu und stopft den Mund des schreienden Kindes mit Süßigkeiten und anderen Leckereien voll – iss, iss, iss. Es ist eine inzwischen häufig zu beobachtende Methode in China, ein Kleinkind zur Ruhe zu bringen. Und häufig scheint sie zu wirken. Doch die Nebenwirkungen sind auch nicht ohne. Viele Kinder in China neigen inzwischen zu Übergewicht und Fettleibigkeit.

Und nicht nur die Kinder sind zu dick. Die Zahl der Diabetiker in der Volksrepublik ist in den vergangenen 30 Jahren explosionsartig angestiegen. Rund zwölf Prozent der erwachsenen Chinesen leiden mittlerweile an Diabetes, heißt es in einer Studie des Journal of the American Medical Association, die bereits im vergangenen Jahr erschienen ist. Das sind in absoluten Zahlen fast 100 Millionen. Im Jahre 1980 lag der Anteil der Zuckerkranken in der Volksrepublik noch unter einem Prozent. Bei der Stadtbevölkerung hat Diabetes vom Typ 2 allein in den letzten fünf Jahren um mehr als 50 Prozent zugenommen. Damit verzeichnet China im weltweiten Vergleich die höchste Erkrankungsrate.

Der Studie zufolge gibt es bei jedem zweiten Erwachsenen Anzeichen auf Fettleibigkeit. Übergewicht und Diabetes erhöht ganz massiv die Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Gefahr. Wie in westlichen Industrieländern sind auch in China Herz-Kreislauf-Erkrankungen inzwischen die Todesursache Nummer eins. Alle zehn Sekunden stirbt in China ein Mensch an Herzinfarkt oder Schlaganfall. 40 Prozent aller Todesfälle gehen in der Volksrepublik inzwischen auf diese Zivilisationskrankheit zurück.

Das schlägt sich auch ganz massiv in den Gesundheitskosten nieder. Wie aus einer weiteren Studie hervorgeht, die chinesische Wissenschaftler in diesen Tagen veröffentlicht haben, lagen die öffentlichen Ausgaben für die Diabetes-Behandlung im Jahre 1993 nach heutigen Wechselkursen noch bei rund 270 Millionen Euro. 2013 musste die chinesische Regierung über 50 Milliarden Euro aufbringen.

Als Hauptursache für diese Entwicklung sehen Mediziner den Lebensstil der Chinesen, der sich durch das rasante Wirtschaftswachstum in den letzten drei Jahrzehnten drastisch gewandelt hat. Die Menschen essen immer weniger Getreide, Knollen und Gemüse und immer mehr Fleisch, Fett und Zucker. Es wird auch sehr viel mehr geraucht als früher.

Zugleich hat sich aber noch wenig das Bewusstsein entwickelt, dass die erhöhte Kalorienzufuhr eigentlich durch umso mehr Bewegung kompensiert werden müsste. Im Gegenteil: Keine körperliche Arbeit verrichten zu müssen, sondern seine Freizeit gemütlich vor dem großen Flachbildschirm im Wohnzimmer zu verbringen, wird als eine zivilisatorische Errungenschaft angesehen. Vor allem die mangelnde Bewegung führt dazu, dass heute bereits viele Kinder in China übergewichtig sind. Der Diabetiker-Anteil ist in Ballungsgebieten sehr viel höher als auf dem Land.

Ein weiteres Problem: Anders als im Westen werden in China Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck nach wie vor nur selten frühzeitig angegangen. Prävention hat im chinesischen Gesundheitssystem bisher keine Priorität. In der Regel werden Herz-Kreislauf-Erkrankungen nur in den Endstadien behandelt. Ihrer Krankheit bewusst sind sich der chinesischen Studie zufolge nur rund 30 Prozent der Betroffenen.

Auch bei der Behandlung des Bluthochdrucks hinkt China nach Ansicht von Medizinern hinterher. Nur ein Drittel der Betroffenen weiß überhaupt, dass ihr Blutdruck zu hoch ist. In den USA sind es 80 Prozent. Nur sechs Prozent der chinesischen Bluthochdruck-Patienten werden außerdem adäquat behandelt und erreichen wieder halbwegs normale Werte, während dies immerhin der Hälfte der betroffenen US-Amerikaner gelingt.

Als einen der Schlüsselfaktoren für die riskante Entwicklung sehen die Forscher nicht zuletzt das schlechte Vorbild der chinesischen Ärzte: Ihnen zufolge raucht die Hälfte der männlichen Mediziner und viele sind ebenfalls übergewichtig. Selbst Kardiologen, die es besser wissen müssten, hätten oft einen ungesunden Lebensstil.

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